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Moorfrosch (Rana arvalis)

Meer. Natur. Inspiration.

Blau gefärbtes Moorfrosch-Männchen zur Balz, halb aus dem Wasser ragend, mit Spiegelung im Moorgewässer
Foto: Herbert · Adobe Stock

Naturschutzgebiet Ribnitzer Großes Moor

Der berühmteste Frosch im Moor ist braun

Der blaue Frosch, dessentwegen im Frühjahr Wanderer ins Ribnitzer Große Moor kommen, existiert nur wenige Tage im Jahr.

Lage Häufige Fragen

bis 7 cmKörperlänge
wenige Tageblau, nur die Männchen
~274 haNaturschutzgebiet
1939geschützt seit
AprilBalz & Blaufärbung

Sonst ist er braun, höchstens sieben Zentimeter lang, und so scheu, dass ihn kaum jemand zu Gesicht bekommt. Blau wird er, wenn überhaupt, für die Dauer einer Balz.

Sein Name ist Moorfrosch, Rana arvalis, einer der kleineren heimischen Frösche. Außerhalb der Paarungszeit trägt er ein unauffälliges Braun. Dann, für ein kurzes Fenster im April, färben sich manche Männchen himmelblau bis violett. Die Färbung hält ein paar Tage, danach ist der Frosch wieder das, was er das ganze Jahr über ist: übersehbar.

Die Farbe kommt erst im Wasser

Wer die Tiere bei der Anwanderung sieht, sieht braune Frösche. Das Blau stellt sich erst ein, wenn die Balz im Laichgewässer beginnt, und es wird von Tag zu Tag kräftiger. Es ist kein Kleid, das der Frosch anlegt und wieder ablegt, sondern eine Verfärbung, die mit der Erregung im Wasser wächst und mit ihr vergeht.

Wofür das gut ist, weiß niemand genau

An diesem Punkt trennt sich die Broschüre von der Forschung. In Faltblättern und auf Wanderportalen liest man, das Blau locke die Weibchen und schrecke die Konkurrenten ab. Das klingt schlüssig. Belegt ist es nicht. Wer bei den Fachleuten nachliest, findet die vorsichtige Formulierung: Welche Funktion der Farbwechsel hat, ist nicht eindeutig geklärt. Ein Signal an die Weibchen wäre denkbar, ein Signal an rivalisierende Männchen ebenso. Sicher ist die Beobachtung, nicht ihre Deutung.

Ein Moor auf dem Weg zurück

  1. 1939

    Die Fläche wird unter Schutz gestellt – doch Schutz allein hält kein Wasser im Boden.

  2. bis 1950

    Im Zentrum wird weiter Torf abgebaut, zuletzt maschinell. Über Jahrhunderte war das Moor gestochen und entwässert worden.

  3. 1990er

    Ein Renaturierungsprogramm vernässt das Gebiet wieder. Aus dieser Arbeit geht in Neuheide das Informationszentrum »Wald und Moor« hervor.

  4. heute

    Der Moorfrosch laicht wieder im Ribnitzer Großen Moor – eine seiner letzten verlässlichen Adressen in Deutschland.

Ein Ort, den man wiederherstellen musste

Der Moorfrosch braucht nasses Moor, und nasses Moor war das Ribnitzer Große Moor lange nicht mehr. Jahrhundertelang wurde hier Torf gestochen, das Moor entwässert; noch bis 1950 baute man im Zentrum maschinell ab. Erst in den späten 1990er-Jahren vernässte ein Renaturierungsprogramm das Gebiet wieder, und aus dieser Arbeit ging in Neuheide das Informationszentrum »Wald und Moor« hervor. Seit 1939 steht die Fläche unter Schutz, doch Schutz allein hält kein Wasser im Boden. Dass der Frosch hier heute laicht, ist das Ergebnis der Vernässung. In größeren Beständen kommt er in Deutschland nur noch im nordostdeutschen Tiefland vor. Das Moor ist eine seiner letzten verlässlichen Adressen.

Und sehen wird man ihn wahrscheinlich nicht

Das Zentrum bietet geführte Wanderungen an, doch es verspricht nichts. Eine Mitarbeiterin sagt es deutlich: Die Tiere sind scheu, und der Moorboden schwingt stärker, wenn eine große Gruppe durch den Wald geht. Die Chance, die »Blaumänner« dabei zu sehen, ist gering. Manche Teilnehmer kommen später allein zurück, an die Stellen, die sie sich gemerkt haben.

Vielleicht ist das die passende Form, diesem Frosch zu begegnen. Er trägt seine Farbe ein paar Tage im Jahr, an einem Ort, den man erst wieder vernässen musste, damit er bleibt. Wer ihn sehen will, muss leise sein, früh dran, und bereit, mit nichts nach Hause zu gehen. Der braune Frosch, der er die übrige Zeit ist, verlangt genau das.

Gut zu wissen

Häufige Fragen

01Warum ist der Moorfrosch blau?

Blau werden nur die Männchen, und nur für wenige Tage zur Balz. Die Färbung entsteht erst im Laichgewässer und wird mit der Erregung von Tag zu Tag kräftiger. Wozu sie dient, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt – denkbar ist ein Signal an die Weibchen ebenso wie an rivalisierende Männchen.

02Wann kann man die Blaufärbung sehen?

Für ein kurzes Fenster im April, während der Balz, und nur wenige Tage lang. Bei der Anwanderung zum Laichgewässer sind die Frösche noch braun.

03Wie groß ist der Moorfrosch?

Höchstens sieben Zentimeter – er zählt zu den kleineren heimischen Fröschen. Außerhalb der Paarungszeit trägt er ein unauffälliges Braun.

04Wo liegt das Ribnitzer Große Moor?

Es ist ein Naturschutzgebiet bei Graal-Müritz von rund 274 Hektar, das seit 1939 unter Schutz steht. Die Koordinaten liegen bei 54,271° N / 12,293° O.

05Kann man den Moorfrosch bei einer Führung sehen?

Das Informationszentrum »Wald und Moor« in Neuheide bietet geführte Wanderungen an, verspricht aber keine Sichtung. Die Tiere sind scheu, und der Moorboden schwingt stärker, wenn eine große Gruppe durch den Wald geht. Die Chance, die »Blaumänner« zu sehen, ist gering.

06Warum musste das Moor wiederhergestellt werden?

Jahrhundertelang wurde hier Torf gestochen und das Moor entwässert, im Zentrum noch bis 1950 maschinell. Erst in den späten 1990er-Jahren vernässte ein Renaturierungsprogramm das Gebiet wieder – die Voraussetzung dafür, dass der Moorfrosch hier heute wieder laicht.

07Wo kommt der Moorfrosch in Deutschland noch vor?

In größeren Beständen nur noch im nordostdeutschen Tiefland. Das Ribnitzer Große Moor ist eine seiner letzten verlässlichen Adressen.

Geografische Lage

Hier liegt das Moor.

Gebiet
Ribnitzer Großes Moor
Naturschutzgebiet
bei Graal-Müritz · Landkreis Vorpommern-Rügen
Größe
rund 274 Hektar
geschützt seit 1939
Zugang
Wege frei begehbar
Naturschutzgebiet – bitte auf den Wegen bleiben
Koordinaten
54° 16′ N
12° 18′ O

Interaktive Karte mit MapLibre GL. OpenFreeMap © OpenMapTiles © OpenStreetMap-Mitwirkende.

»Scheint mir das schönste Ostseefleckchen – hier will ich bleiben.«

Alfred Kerr (1867–1948)


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