Fallada in Graal

Hans Fallada, der seit Anfang der 30er-Jahre ein sehr erfolgreicher Schriftsteller war, kam mit seiner Familie - den drei Geschwistern und den Eltern - zum ersten Mal im Jahr 1906 als 13-Jähriger nach Graal. Der Ort entsprach vollkommen der Naturverbundenheit und Ruhebedürftigkeit der Familie, so dass sie auch in den drei Folgesommern bis 1909 ihre Sommerfrische hier verbrachte. Es wurde eine für den Ort typische Büdnerei angemietet. „Wir hatten das kleine Bauernhaus fast ganz für uns, die Familie Beyer zog sich für die Saison in einen Anbau zurück“, schreibt Falladas Mutter, Elisabeth Ditzen, damals in ihr Tagebuch.

Über die herrlichen Ferienwochen an der Ostsee berichtet Hans Fallada später sehr ausführlich in seinem Buch „Damals bei uns daheim. Erlebtes, Erfahrenes und Erfundenes“, das erstmals 1941 erschien:
„Morgens ging es regelmäßig an den Strand, aber fast jeden Nachmittag wurde ein langer Spaziergang durch die Wälder gemacht. Vater war unermüdlich, immer neue Ziele zu entdecken oder neue Wege zu alten Zielen. War es aber eines Tages zu heiß, so suchten wir uns eine schattige Stelle am Waldrand und Vater fing an zu erzählen.
Nein, wie eilig flogen die Ferientage dahin. Kaum waren wir erst so recht aufgestanden, so mußten wir schon wieder ins Bett! Nun wurden schon die Blaubeeren reif. Aus dem Walde kamen wir mit schwarzen Mündern heim und mit Flecken in unsern weißen oder weiß-blau gestreiften Sommerblusen, über die Mutter schalt. Und dann gab es nach ein paar Regentagen Pilze über Pilze.“

Aus dem Tagebuch der Mutter wissen wir von einem einzigen etwas schlimmeren Zwischenfall während eines Feriensommers, aber abgesehen davon, hat sich die Familie Falladas, die während dieser Zeit in Berlin zu Hause war, unbeschwert in Graal erholt:
„Rudolf steckte immer voll von Plänen. In einem Jahr wollte er seinen Vater zum 5. August mit einem abendlichen Feuerwerk überraschen. Er verfertigte sogar mit den Geschwistern Bänke für die Zuschauer und verbrauchte dazu sämtliche Nägel unseres Hauswirts. Das ist das einzige Mal gewesen, daß ich unsern guten Bauern Beyer böse gesehen habe, sonst hatten sie alle eine Engelsgeduld mit den Jungen. Das Feuerwerk mißlang nun aber leider, ein Feuerwerkskörper verletzte meinen Mann ziemlich heftig an der Hand. Da war alle Freude vorbei, und Rudolf hatte es sich doch so schön ausgedacht.“

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