Graal-Müritzer Schreibwettbewerb

Graal-Müritzer Schreibwettbewerb 2017

„Seeräuber-Geschichten“
Literarisches Graal-Müritz

Beim inzwischen dritten Schreibwettbewerb suchte das Ostseeheilbad Graal-Müritz die schönste Kurzgeschichte, gern in Form eines packenden Kurzkrimis! Denn unter dem Motto „Seeräuber“ lässt sich ja vieles erzählen: zum Gruseln oder Schmunzeln, zum Staunen oder kaum zu glauben – in jedem Fall spannend! Keine Seeräuber, aber „Strandräuber“ kassierten übrigens früher zuweilen die Kurtaxe...

Einsendeschluss war am 10. April 2017, über 20 fesselnde Geschichten aus den Seekisten der Phantasie haben die Jury erreicht. Diese hat nun die schwere Aufgabe der Entscheidung...

Die Gewinner wurden im Rahmen der Literaturwoche bekannt gegeben...

Fazit des Wettbewerbs

Das Thema unseres diesjährigen Schreibwettbewerbs lautete: „Seeräuber-Geschichten“. Und um es gleich vorwegzunehmen: Nie hätten wir gedacht, dass so viele Seeräuber – lebende wie tote, märchenhafte wie hochmoderne, große wie kleine, witzige wie gewitzte – an der Ostsee von Graal-Müritz und Umgebung existieren! Nahezu alle Geschichten spielen hier, überwiegend gesponnen aus feinstem Seemannsgarn!

Gegenüber unseren vergangenen Schreibwettbewerben ging die Anzahl der Einsendungen mit knapp über zwanzig leicht zurück, allerdings nahm die inhaltliche wie auch stilistische Variationsbreite der Texte deutlich zu. Außerdem erfüllte sich unser Wunsch: Männliche Bewerber griffen wieder mehr zur Feder und machen nun fast ein Drittel aus. Allen sei Dank!

Seeräuberei ist so alt wie die Geschichte der Seefahrt. Ihre Spuren reichen bis in die Antike zurück. In unseren Breitengraden sind vor allem die Vitalienbrüder bekannt, die im „Goldenen Zeitalter“ der Hanse mächtig Aufsehen erregten. Das wohl wichtigste Markenzeichen der Brüder war, dass sie sch ihre Beute untereinander teilten, woraus die Bezeichnung Likedeeler (niederdeutsch: Gleichteiler) entstand – heute ein gern benutzter Name für Küstenkneipen und Restaurants. In einer der „Seeräuber-Geschichten“ wird den Likedeelern ein eigenwilliges Denkmal gesetzt. Dazu später.

Wie immer war es auch dieses Mal für unsere Jury eine Herausforderung, die nach unserer Auffassung drei besten Geschichten auszuwählen. Oft haben wir bei der Lektüre herzhaft gelacht, bekamen wir Gänsehaut oder staunten gespannt angesichts der genialen Einfälle und „dramaturgischen“ Überraschungen, immer machte das Lesen Spaß, wie zum Beispiel bei der Geschichte über eine „Seehochzeit“ mit einer tätowierten, rothaarigen Braut … oder über den Piraten Billy Bones, der auf wundersame Weise seine Schatztruhe voller Goldstücke bewacht, obwohl er längst gestorben ist. Mit Vergnügen lernten wir Hein Seemann unserer Tage kennen, der als Rentner „Seeräuber“ wurde und für sein Raubgut am „Ostseering“ eine Garage gemietet hat. Ein komplettes Drehbuch für einen 45-Minuten-Film hätten wir uns zum Schweriner Kommissar Carsten Stolpe vorstellen können, der sich am Strand von Graal- Müritz eine Auszeit gönnt, bis die ersehnte Ruhe im Strandkorb aus buchstäblich heiterem Himmel jäh unterbrochen wird: „Möwenkreischen, lautes Hundejaulen und ein Schrei …“

Was uns besonders gefiel: Experimentierfreudig werden seeräuberische Requisiten wie Holzbein, Papagei und schwarze flatternde Fahnen mit Totenkopf in Szene gesetzt, in einer Geschichte landet ein Ungeheuer im Fischernetz: ein sprechender Knurrhahn mit goldenem Ohrring und schwarzer Augenklappe … Nicht ohne Schrecken läuft ein Ausflug mit Lehrerin Donnervogel und ihrer Klasse 4c am Strand von Graal-Müritz ab … Last but not least gibt ein „gestrandeter Pirat“ unweit der Seebrücke Rätsel auf. Schließlich entpuppt er sich als Schauspieler, der bei den Störtebeker Festspielen auf Rügen engagiert war, zu tief ins Glas geguckt hatte und so aus seinem Boot kippte mit dem Resultat, dass er fast in den Tiefen der Ostsee ertrank... Doch Ende gut, alles gut.

Nach gründlichem Überlegen fiel unsere Entscheidung für Bronze auf „Ecke Fallada“, verfasst von Marlis Mlinski aus Berlin. Ort der Handlung ist auch bei ihr Graal-Müritz. Aber nicht im Sommer, sondern beim Wandern durch den weiß verschneiten Winterwald. „Plötzlich blitzt was Rotes auf …kleine rote Schleife im Haselnussstrauß…“. Die Ich-Erzählerin vermutet, jemand habe ein Zeichen gesetzt, als Eingang, irgendwohin…“ Eine Antwort indes bleibt aus. Gedankensplitter prägen sich ein – sprachlich gekonnt zum Nachsinnen ausgestreut. Für Silber wählten wir Christoph Gottschalch aus Hamburg aus. „Der wahrscheinlich letzte deutsche Seeräuber“ lautet der Titel seiner ebenso originellen wie höchst bildhaft geschriebenen und temporeichen Geschichte, die man immer wieder von vorn lesen mag. Schließlich Gold: Spontan entschieden wir uns für „Ein Sack, ein Strohhalm und eine Erbse“, verfasst von Sabine Frambach aus Mönchengladbach. Im Mittelpunkt Fiete, der an der Reling steht und in die Wolken, geformt wie Wale, träumt. Von Kapitän Wigbold, der eher wir ein Zwerg aussieht, lässt er sich mit heißen Ohren erzählen, wie dieser mal ein Schiff der Hanse ausgeraubt hat, „nur mit einem kleinen Sack, einem Strohhalm und einer Erbse“. Was man an Kraft nicht hat, muss der Verstand ausgleichen, lautet die Lebensweisheit des alten Likedeelers, den man sich durch die schlichte und gerade dadurch eindringliche Darstellung leibhaftig vorstellen kann und dessen Stimme man glaubt zu hören. „Kampf bringt immer Verluste, klüger sind Verhandlungen.“ Wenn er mal groß ist, überlegt sich Fiete, wird er vielleicht ein Geschichtenerzähler...

Die Gewinnergeschichten werden nach und nach im „Windflüchter“ veröffentlicht. Wir wünschen bei der Lektüre Anregung und Spaß!
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