Franz Kafka in Müritz - die letzte große Reise

Reisen? Konnte er das überhaupt noch? Würde er das schaffen? Und dann noch nach ganz oben in den Norden, nach Müritz an die Ostsee! Am Meer war er nur selten gewesen. Das erste Mal, als er gerade 18 geworden war und die Abiturprüfungen hinter sich hatte. Da hatte er sich mit seinem Onkel auf Helgoland getroffen, und die beiden fuhren mit dem Raddampfer weiter nach Norderney. Das zweite Mal dann vor neun Jahren: In Travemünde verbrachte er im Juli 1914 einen Nachmittag beim Baden und reiste dann weiter in das dänische Ostseebad Marielyst, um dort eine gute Woche lang zu bleiben.

Aber jetzt, Anfang Juli 1923, war er schwer krank. Vor fast genau sechs Jahren war mit aller Macht seine Lungentuberkulose ausgebrochen, die nicht mehr in den Griff zu bekommen war. Deswegen machte Kafka sich die Entscheidung, an die Ostsee aufzubrechen, nicht leicht. Was würde passieren, wenn er im Urlaub wieder bettlägerig würde? Fast sein gesamtes Leben hatte er im vertrauten Umfeld der Prager Altstadt verbracht. Aber der gerade 40-Jährige wollte es - trotz seiner inzwischen schweren Krankheit - versuchen. Er würde auch nicht alleine fahren, zumindest nicht die gesamte Strecke von Prag nach Müritz. Bis nach Berlin würde auch seine Schwester Elli mit ihren beiden Kindern Felix und Gerti dabei sein. Dort wollte er einen Zwischenstopp einlegen, um einen neuen Verleger kennenzulernen. Nur einen Tag später würde er dann in Müritz wieder zum Rest der Familie stoßen. Genau einen Monat lang sollte er dort bleiben: vom 6. Juli bis zum 6. August 1923.

Kafkas „Pension Glückauf“ in der Müritzer Strandstraße: „Freier Blick auf das Meer, fließend Warm- und Kaltwasser„
Die „Pension Glückauf“ in der Strandstraße, die Kafkas Schwester Elli ausgesucht hatte, schien sehr komfortabel und bestens gelegen zu sein: „Freier Blick auf das Meer“, warb das Haus damals, vermutlich auch in den Prager Zeitungen:
„Das Ostseebad Müritz liegt in Laub- und Nadelwaldungen eingebettet, hat besonders im Osten breiten, steinfreien Strand, romantische Dünen. Hier liegt in einer Entfernung, 8 Minuten vom Strande, in ruhiger, sonniger Lage, direkt am Walde die Pension „Glückauf“. Aus persönlich geleiteter Küche wird hier eine vorzügliche und reichliche Verpflegung gegeben. Die Pension hat schöne, helle, gut eingerichtete ein- bis vierbettige Zimmer, fast alle mit Balkon oder Glasveranda und was besonders angenehm empfunden wird, alle Zimmer haben fließendes Warm- und Kaltwasser. Weiter sind mehrere Zimmer und auch der Speisesaal mit Zentralheizung versehen.“
Die meisten Pensionen und Hotels in Müritz lagen direkt am Wald. Erbaut waren sie in der typischen Bäderarchitektur der Jahrhundertwende - zahlreiche Balkone und Veranden schmückten damals die Häuser. Franz Kafka wohnte im zweiten Stock, auf der Rückseite der „Pension Glückauf“. Sah er aus dem Fenster, konnte er den nahen Waldrand erkennen. Und wenn er die Balkontür öffnete, hörte er viele Kinderstimmen. Ein Ferienheim lag dort.

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