Emil und die Detektive in Müritz

Den zweiten Band von „Emil und die Detektive“, „Emil und die drei Zwillinge“ (1934), lässt Erich Kästner sogar komplett an der Ostsee spielen. Und „Korlsbüttel“ist nicht irgendein Ort, sondern, ganz klar - Müritz!

„...Korlsbüttel an der Ostsee. Irgendwo zwischen Travemünde und Zinnowitz. [...] Der Badestrand liegt ganz in der Nähe. Man kann gleich im Schwimmtrikot hinspazieren. Drei Minuten durch einen grün dämmernden Erlenbruch - und schon steht man oben auf den Dünen. Drunten breitet sich die Ostsee. Und die hölzerne Brücke, an der die Küstendampfer anlegen, reicht fast bis an den Horizont.“

„Korlsbüttel ist keiner von den großen Badeorten. Noch vor zehn Jahren hatte Korlsbüttel nicht einmal einen Bahnhof. Damals musste man auf der Strecke Lübeck-Stralsund in einem kleinen Nest aus dem Zug steigen, das, wenn ich nicht irre, Stubbenhagen hieß. Dort stand, wenn man besonderes Glück hatte, irgendein altmodisches Fuhrwerk, das mit einem schweren mecklenburgischen Gaul bespannt war, und zockelte die Badegäste nach Korlsbüttel hinüber. Auf zerfahrenen, sandigen Waldwegen. Links und rechts dehnte sich die Heide. Die Wacholderbüsche standen wie hundertjährige Zwerge zwischen den Eichen und Buchen. Und manchmal fegte ein Rudel Rehe durch die Stille. Und von den Kohlenmeilern, die auf den Waldwiesen lagen, stieg blauer, beizender Rauch in die Sommerluft empor. Es war wie in Grimms Märchen.“

Und auch die „Pension Meeresblick“, in der die Kästners 1914 wohnten, kommt in „Emil und die drei Zwillinge“ vor. Hier heißt sie „Villa Seeseite“ und ist „reizendes, altmodisches Haus“ mit gläserner Veranda, Schiebefenstern und offenem Balkon. Heute heißt das Haus „Villa Martha“. Es steht in der Strandstraße 16 im Ortsteil Müritz-Ost.

Wenn Erich Kästner von der See schreibt, gibt er uns immer auch einen unmittelbaren Eindruck des Gesehenen und Erlebten. Und obwohl „Emil und die drei Zwillinge“ ein Kinderbuch ist, finden wir auch hier einen poetischen Blick auf das Wasser und den Horizont:
„Und dort, wo der Strand aufhörte, begann das Meer! Es nahm, wohin man auch blickte, kein Ende. Es lag da, als sei es aus flüssigem Quecksilber. Am Horizont, ganz hinten, fuhr ein Schiff in den Abend hinein. Ein paar Lichter blinkten. Und am Himmel, der von der Sonne, die längst untergegangen war, noch immer rosig widerstrahlte, hing die Mondsichel. Sie sah noch ganz blass aus. Als ob sie lange krank gewesen wäre. Und über das pastellfarbene Himmelsgewölbe glitten die ersten Lichtstreifen entfernter Leuchttürme. Weit draußen heulte ein Dampfer. Die Großmutter und die beiden Kinder standen überwältigt. Sie schwiegen und hatten das Empfinden, als ob sie nie im Leben wieder würden reden können.“

„Manchmal liefen Wellen über den Meeresspiegel. Und Pony bemerkte: ‚Das sieht aus, als ob ein unsichtbarer Verkäufer auf einem unendlichen Ladentisch schillernde Seide aufrollt.“

Lesen Sie mehr:

  1. Erich Kästner - Der Reisende
  2. Der Sommer in Müritz 1914
  3. Pfingsten in Müritz 1923
  4. Emil und die Detektive in Müritz
  5. Biographie und Werk

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