Erich Kästner - Biographie und Werk

„Dem Vernehmen und der eigenen Meinung nach“ sei er ein satirischer Schriftsteller, sagte Erich Kästner 1957 in einer Rede. Ein Warner. Ein Spötter. Vor allem für seine journalistischen Arbeiten und seine Gedichte gilt das. Schon ganz am Anfang seiner Laufbahn schrieb er, der am 23. Februar 1899 in Dresden geboren wurde, Glossen, kleine Erzählungen, Gedichte und politische Parodien für Zeitungen. Satirisch, witzig und scharfzüngig waren seine Blicke auf die Menschen, auf die Zeiten, auf das politische Geschehen. Hinter dem Glanz der 20er-Jahre in Berlin sah Kästner die Armut, sah er das Elend. Und er sah vor allem schon den Abgrund, auf den Deutschland zutaumelte. Er versuchte, so schrieb er nach dem Krieg, als junger Mann „durch Ironie, Kritik, Anklage, Hohn und Gelächter“ zu warnen. 1927 erschien sein erstes Buch, ein Gedichtband mit dem Titel „Herz auf Taille“. Von dort stammen die Verse:

„Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.

[...]

Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!

Kästners Gedichtbände verkauften sich hervorragend, und schon ein Jahr nach seiner ersten Veröffentlichung, 1929, machte er sich einen Namen als Kinderbuchautor: „Emil und die Detektive“ war von Anfang an ein Kassenschlager. Viel Zeit blieb Erich Kästner jetzt allerdings nicht mehr.
„Im Mai 1933 fand die Bücherverbrennung statt, und unter den 24 Namen, mit denen der Minister für literarische Feuerbestattung seinen Hass artikulierte, war auch der meine. Jede künftige Veröffentlichung in Deutschland wurde mir streng untersagt. Im Laufe der nächsten Jahre wurde ich zweimal verhaftet, und bis zum Zusammenbruch der Diktatur stand ich unter Beobachtung. Nach jenem Zusammenbruch war ich einige Jahre Redakteur und dann erst, nach rund 15-jähriger Pause, erschien in Deutschand mein nächstes neues Buch.“
Am 10. Mai 1933, dem Tag der Bücherverbrennung, stand Kästner sogar daneben, den Hut tief ins Gesicht gezogen. Er wurde erkannt, doch es geschah ihm nichts. 12 Jahre lang schwieg er nun. Ein Kinderbuch ließen die Nazis ihm noch durchgehen: „Emil und die drei Zwillinge“ (1934), der zweite Band des großen Erfolgs. 1931 war schon „Pünktchen und Anton“ erfolgreich gewesen, 1932 „Der 35. Mai“ und 1933 „Das fliegende Klassenzimmer“. Nun schrieb er, um überleben zu können, seichte Boulevardstücke und das Drehbuch für den Münchhausen-Film der UFA. 1943 wurde ihm das Schreiben dann vollends verboten. Erst 1949 erschien „Das doppelte Lottchen“, und hauptsächlich lebte er nun von den Verfilmungen seiner Bücher, wenigen Gedichtbänden und seinen Erinnerungen „Als ich ein kleiner Junge war“(1957). Am 29. Juli 1974 starb Erich Kästner in München.

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  1. Erich Kästner - Der Reisende
  2. Der Sommer in Müritz 1914
  3. Pfingsten in Müritz 1923
  4. Emil und die Detektive in Müritz
  5. Biographie und Werk

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